theaterfink im Sitzen

Kriminalschrammeln

Aufführungen:

Schrammelklang Litschau
9., 10. Juli 2022

Buch: Susita Fink
Dramaturgie: Karin Sedlak
Puppenbau: Nico Oest
Gesang: Katharina Hohenberger
Puppenspiel: Susita Fink
Musik: Duo Martina Rittmannsberger – Walther Soyka

 

Verbrechen gab es zu jeder Zeit in der Menschheitsgeschichte, doch sowohl die Definition, was ein Verbrechen ist, als auch die Rechtsprechung und deren Vollzug unterliegen dem Wandel der Zeit.
Die Kriminalität ist ein Spiegelbild der Epoche. So wollen wir durch die Zeit wandern und unterschiedliche Themen und Hintergründe zur Kriminalgeschichte aufgreifen.

Im hier vorliegendem Programm haben wir das Hauptaugenmerk auf das Ende des 18. Jahrhunderts und das 19. Jahrhundert gelegt. Wir folgen den volksphilosophischen Betrachtungen zur Warnung an junge Frauen und beschäftigen uns mit Frauen in der Rechtsgeschichte – als Opfer, doch auch als Täterinnen. Die Geschichte des Biedermeier ist geprägt von Pauperismus, dem Vormärz und der strengen Zensur, sowie die Industrielle Revolution und die Entstehung des Kapitalismus. Die Napoleonischen Kriege, Staatsbankrott, Revolution und die veränderten Arbeitsbedingungen ließen die ohnehin schon arme und geknechtete Bevölkerung weiter verelenden. Viele wollten in der Kaiserstadt Wien ihr Glück versuchen. Von 1830 bis 1900 stieg die Zahl der Einwohnerinnen von rund 400.000 auf fast 2 Millionen Menschen an. Der Großteil an Verbrechen betraf Eigentumsdelikte, meist aus Not von den Besitzlosen begangen. Die wenigsten endeten mit einem Mord, doch genau wie heute war Mord auch damals das Delikt, das die höchste Aufmerksamkeit erweckte. Die dargebotenen Moritaten handeln von mehr oder weniger spektakulären Mordfällen, allesamt verübt von Angehörigen der unteren Bevölkerungsschicht. Nicht, dass die „oberen Zehntausend“ weniger kriminelle Energien aufgebracht hätten, sie sind nur offensichtlich nicht so prominent dargestellt worden, denn wir konnten kein Lied die wohlhabende Klasse betreffend finden.
Außerdem sollte die Moral der Massen gestärkt werden und nicht jene der korrupten, ausbeutenden Reichen. Doch vielleicht finden wir noch eine Moritat, die den Mädchenschänder Fürst Kaunitz besingt, die korrupten Betreiber des Wiener Neustädter Kanals, oder den Hochstapler und Geldfälscher Peter Ritter von Bohr. Und wenn nicht, dichten wir eben selber welche.

Folgen Sie uns auf unserem ersten Streifzug durch die Wiener Kriminalgeschichte – im Sitzen – in das Wien der Tagelöhner und Dienstmädchen!

“Schon wieder ist jüngst in Wien ein Meichelmord geschehen, mich schauderts wenn ich denk daran, ich muss es selbst gestehen.”