Der Lechner Edi schaut ins Paradies

von Jura Soyfer

Eine theatrale Prozession
mit Schauspiel, Puppenspiel und musikalischer Begleitung.
Gespielt wird an Orten, an denen Arbeit und Handwerk noch aktiv Kohle bringen.

Hilfe - Wirtschaftskrise! Ein Deja-vu Erlebnis?  

Nach den Banken krachen nun die Staaten.

Was sind die Ursachen, wer ist schuld? 

Die gierigen Manager der Großkonzerne und Börsenspekulanten, oder die Sozialschmarotzer, Ausländer und Scheinasylanten? Schuldige müssen gefunden werden und Sündenböcke müssen her!

Blicken wir zurück in die Vergangenheit so entdecken wir, dass es um und nach 1929/30 eine ähnliche wirtschaftliche und politische Situation gegeben hat. Börsenkrach in New York – Rückgang des Welthandels – Massenarbeitslosigkeit – aufkeimender Faschismus und Antisemitismus (der Jud´ ist Schuld). Was waren die Ursachen, wer war schuld, wer trägt wirklich die Verantwortung? 

Diese Fragen stellte sich auch der Wiener Schriftsteller und Dramatiker Jura Soyfer. 

Sein Todestag jährte sich 2009 zum 70. Mal. 

Er starb an den Folgen der Krise, denn der einfachste Ausweg für die Mächtigen ist immer der Krieg! Das sah auch Jura Soyfer 1936 so und schrieb gegen die Machthaber, das Kapital und den Faschismus an. Am 16. Februar 1939 kostete ihn sein politischer Widerstand als Kommunist und die Tatsache, dass er Jude war, im KZ Buchenwald das Leben.

Schuld sind nicht wir.  
Nein, aber was tun wir dagegen, dass so etwas nie wieder passiert? 
Die zentrale Aussage in Jura Soyfers Stück, Der Lechner Edi schaut ins Paradies, lautet: 

Auf uns kommt´s an!

Der arbeitslose Edi Lechner und seine Freundin Fritzi suchen einen Schuldigen für die Krise.Edi macht die eingesetzten Maschinen in den Betrieben verantwortlich. Da tritt der Motor Pepi, wegen dem Edi  seinerzeit „abgebaut“ wurde, auf. Auf Grund der sinkenden Kaufkraft durch die Wirtschaftskrise nun selbst ausrangiert, macht Pepi sich mit den beiden auf die Suche nach den wahren Schuldigen. Sie begeben sich auf eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit, bis sie vor den Pforten des Paradies stehen.

Das Ensemble theaterfink bringt mit den Techniken des Figuren- und Mitgehtheaters dem Publikum die Brisanz des Themas näher. 

Das Publikum folgt dem Motor Pepi und dem arbeitslosen Lechner Edi zu Arbeitsstätten und Geschäftslokalen. Hier wird noch gearbeitet, hier wird noch produziert. 

Bei unserem Streifzug durch Erdberg rund um den Kardinal-Nagl Platz besuchen wir Betriebe, welche schon der Autor Jura Soyfer gekannt haben mag. Er ist hier aufgewachsen und besuchte hier auch das Gymnasium in der Hagenmüllergasse, in dem er 1931 maturierte. Einige Szenen werden sich direkt in den Betrieben oder deren Schaufenster abspielen.

Die orthopädische Schuhmacherin in der Haidingergasse stellt uns ihre Auslage als Aufführungsort zur Verfügung. Der Betrieb existierte als Schusterei bereits in den 20er-Jahren. Auch die Buchdruckerei, in der sich natürlich die Gutenbergszene abspielt, ist unter einem jüdischen Vorbesitzer seit Erbauung des Rabenhofes in diesem beheimatet.

Die realen Schauplätzen stehen im Zusammenhang mit den einzelnen Szenen. Es begegnen uns die Figuren aus Edis Zeitreise in die Vergangenheit. Erfinder und Entdecker, große Männer der Geschichte. Dargestellt durch Puppen, karikiert und auf das wesentliche ihres Handelns (ihrer Funktion) reduziert.

Zwischen den einzelnen Stationen werden die Unterwegszenen gespielt und gesungen.

Die letzte Szene wird im Theatersaal des Gemeindebaus Hanuschhof gespielt. Jura Soyfer hat seine ersten theatralischen Gehversuche mit dem politischen Parteikabarett in eben solchen Veranstaltungsräumen gemacht. 

Hier folgt im Anschluss an die Vorstellung gemütliches Beisammensein oder hitzige politische Diskussion bei Speis und Trank.

Es spielen:

Walter KUKLA (Lechner Edi)
Claudia HISBERGER ( Fritzi)
Susita FINK (Motor Pepi)

Musik: Walther SOYKA
Kostüme: Sandra SEKANINA
Konzept & Regie:  Susita FINK
Co-Regie:  Walter KUKLA & Claudia HISBERGER

Eine Produktion von theaterfink /  Wien

Saison 2009 und wegen großen Erfolges 2010
Treffpunkt: A-1030 Wien; Erdberger Steg am Donaukanal