Auf der Landstraße, da gibt's a Hetz!

Kriminalgeschichte ist Kulturgeschichte:

auf den Spuren historischer Kriminalfälle führt dieses Stationentheater im öffentlichen Raum zu authentischen Schauplätzen - eine Zeitreise ins Wien des Biedermeier...

Als Vorlage zum Stück dienen historische Kriminalfälle des 19. Jahrhunderts.

Zum einen ist das

  • der Mord an der alten Hetzmeisterin aus dem Jahr 1830

    („Wiener Pitaval“, Edition Seyrl, Wien-Scharnstein 2000, S. 99–102),

und zum anderen

  • der Mord an einer betagten Hausbesitzerin auf der Landstraße

    (ebd.: S. 116-122) im heutigen dritten Wiener Gemeindebezirk.

In beiden Fällen liegt eine Ursache für die Tat in den gesellschaftlichen Verhältnissen des Biedermeiers und der drückenden Armut eines Großteils der Bevölkerung.

theaterfink verwebt aus dramaturgischen Zwecken die beiden Fälle zu einem spannenden Kriminalfall, in dem nicht nur ein Mord geklärt wird: auch Kuppelei, Ausbeutung und ein Finanzskandal um ein großes Bauprojekt spielen eine Rolle.

Dank der Wiener Kriminalchronik bekommen wir Einblick in die Lebensweise jener Leute, die aus der gängigen Geschichtsschreibung ausgeklammert wurden. Wir werden sehen, ob sich unsere heutige Gesellschaft wirklich weiterentwickelt hat und wir die Verbrechen und auch die Umstände von Aufklärung und Bestrafung nur noch als skurrile Auswüchse der damaligen Gesellschaft abtun können.


Inhalt:

„Wie manches schwache Lamm fand in dem Rachen

des mächt´gen Löwens hier sein Grab?

Wie uns sein Röcheln nicht noch Stoff zum Lachen,

zum süssesten Vergnügen gab?“

„Thränen eines Hetzfreundes an den Ruinen, des den 1. September 1796 abgebrannten Hetz Amphie Theaters in Wien“ ; Bey Andreas Mathias Schmidt; Sammlung: Fritz Brukner (Wien Bibliothek)

Wien im Biedermeier -  fast 25 Jahre nachdem das Hetztheater gebrannt hat. Der Wiener Kongress ist zu Ende, Europa neu geordnet, es herrscht Frieden. Die Kinder spielen auf den Straßen und in idyllischen Hinterhöfen. Reich und Arm gibt sich – jeder nach seiner Fasson – den Vergnügungen hin, und die sind dicht gesät in Wien. Theater, Tanz, Kaffeehaus oder ein gemütlicher Gastgarten der Brauhäuser – die Bürgerinnen und Bürger der Kaiserstadt haben die Wahl.

Doch der Schein trügt.

In einem Hinterhof auf der Landstraße wird eine alte Frau tot aufgefunden. Die Witwe des letzten Hetzmeisters im Hetz-Amphitheater unter den Weißgerbern.

Auf den ersten Blick sieht es wie Selbstmord aus, aber der zuständige Kommissär lässt sich nicht täuschen - Die Hetz beginnt! Kommissär Josef Hauptmann macht sich auf die Suche nach dem Mörder. Hilfe bekommt er von der in Wien bekannten Schauspielerin Fanny Nowak. Diese kennt die Höhen und Tiefen der Wiener Gesellschaft, sowie die der Vorstadt.

Es wird eine Reise in die Vergangenheit, während der nicht nur die fragwürdigen Vergnügungen der Wiener Gesellschaft beleuchtet werden...

Ein Streifzug durch die Wiener Kriminalgeschichte mit Schauspiel, Puppenspiel & musikalischem Treibstoff

Idee: Gabriele MÜLLER-KLOMFAR & Susita FINK

Ein Stück nach wahren Begebenheiten von Susita Fink und Claudia Hisberger

Text & Musik der Moritaten: Ernst MOLDEN

Es spielen:

Walter KUKLA (Polizeikommissär)

Susa KRATSCH (Fanny Novak)

Claudia HISBERGER (Puppenspiel)

und 6 Kinder

Knopfharmonika:

Walther SOYKA

Andreas TEUFEL

Regie: Susita FINK

Kostüme/Puppenschneiderei: Sandra SEKANINA

Puppenbau & Szenengestaltung: theaterfink

Konzept & Produktionsleitung: Susita FINK

Dramaturgie: Karin SEDLAK

Forschung: Maga. Susita Fink und Drin. Karin Sedlak

Historische Beratung:

Mag. Harald Seyrl, Dr. Andreas Pittler

Eine Produktion von theaterfink / Wien

URAUFFÜHRUNG war der 29. August 2013


Die Stationen:

Das Publikum folgt den DarstellerInnen zu den einzelnen Stationen. Die bespielten Orte im öffentlichem Raum sind nicht nur Bühnenbild, sie fügen sich in die Szenerie der Handlung.. Alle Stationen befinden sich in 1030 Wien / Erdberg und Landstraße und sind öffentlich erreichbar mit der U3 Station Rochusmarkt (Aufgang Hainburgerstraße).

Die DarstellerInnen führen durch historische Gässchen, wie die Salmgasse, zu prächtigen Palais, historischen Gebäuden, städtischen Grünoasen und versteckten Hinterhöfen.

An den Stationen wird mit den Mitteln des Schauspiels und Figurentheaters gespielt. Doch auch der musikalische Aspekt kommt nicht zu kurz. In der Tradition der seinerzeitigen Bänkelsängern wird die Handlung durch Moritaten kommentiert und verdichtet. Die Texte und die Musik hierzu wurden eigens vom bekannten Musiker Ernst Molden kreiert. Der Virtuose auf der Knopfharmonika Walther Soyka liefert den musikalischen Treibstoff auf der Recherche nach dem meuchlerischen Mörder.

Auch diese Reise endet in einem urigen Lokal – „The Golden Harp“ – das zu anschließendem gemütlichen Beisammensein oder hitziger politischer Diskussion bei Speis und Trank einlädt.